Sylt ist ohne reetgedeckte Häuser kaum vorstellbar und für viele Eigentümer ist die idyllische Optik von der Insel nicht wegzudenken. 

Vor Jahrhunderten entstand die Eindeckung mit dem natürlichen Rohstoff aus der Not heraus. Die Pflanze wuchs auf der Insel, konnte ohne Weiteres genutzt werden und erwies sich damit als kostengünstiger Baustoff. Außerdem war durch die 35 bis 40 cm dicke Eindeckung das Dach in einem Arbeitsverfahren isoliert. Die Bewohner schätzten das Weichdach, da es im Sommer kühler und im Winter wärmer war als vergleichbare Hartdächer. Aufgrund der unterschiedlichen Dämmmaterialien ist dieser Unterschied nicht mehr vorhanden und wer heute eine Reeteindeckung wählt, legt vor allem Wert auf die Optik. 

Die Sumpflanze ist auf vielen Stellen der Insel zu finden, beispielsweise im Rantum-Becken, am Nössedamm und im Gebiet zwischen Kampen und der Vogelkoje.  

Nach dem einjährigen Wachstumszyklus, wenn die grüne Farbe aus den Halmen gewichen ist, wird geerntet. Die Erntezeit ist von November bis Januar, weil die Pflanzen dann vollständig abgetrocknet sind. 

Eine kommerzielle Nutzung lohnt sich nicht. Der Anbau ist sehr arbeitsintensiv und die Importe aus der Ukraine, Russland und Westungarn sind deutlich günstiger. Hinzu kommt, dass der Reetbedarf auf Sylt mit den heimischen Pflanzen nicht gedeckt werden kann.

Trotzdem gibt es einige wenige Idealisten, die auf der Insel nebengewerblich Reed schneiden. Interessant ist nämlich die Tatsache, dass Sylter Reet besonders haltbar ist. Die Pflanze wächst unter den gleichen klimatischen Bedingungen auf, in denen sie auch verarbeitet wird, dass macht sie besonders robust.  

Wie auch immer die zukünftige Entwicklung des insularen Reet sein wird: Die traditionellen Dächer auf Sylt werden wahrscheinlich nicht aussterben.

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